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“Basically, I'm for anything that gets you through the night - be it prayer, tranquilizers or a bottle of Jack Daniels.”

“Critics don't bother me because if I do badly, I know I'm bad before they even write it. And if I'm good, I know I'm good. I know best about myself, so a critic doesn't anger me.”

“The thing that influenced me most was the way Tommy played his trombone. It was my idea to make my voice work in the same way as a trombone or violin - not sounding like them, but "playing" the voice like those instrument- alists.”
Sinatra New York

Nachdem das anno 2006 erschienene Box-Set
Sinatra-Vegas vor allem bei Fans des Barden verhältnismäßig viel Anklang gefunden hatte, wurde Ende 2009 ein weiteres Box-Set mit bislang
ungehörten Live-Aufnahmen auf den Markt gebracht. Wie schon Sinatra-Vegas enthält auch diese Box vier Kompakt-Disks sowie eine Digital Versatile Disc, welche einen Konzertmitschnitt in Ton und Bild enthält. Die neue Box ist Sinatras Konzertschaffen in der Stadt, die niemals schläft, gewidmet: New York. In dieser Stadt feierte der Barde im Laufe seiner langen Karriere etliche Triumphe, musste aber auch etliche Niederlagen einstecken - doch ist hier nicht der Ort um auf diese Dinge einzugehen, hier wollen wir uns mit dem Inhalt der neuen Box beschäftigen.

Die Aufmachung der Box ist der Vegas-Ausgabe nachempfunden, sprich es sind erneut vier CD´s sowie eine DVD enthalten, welche durch ein mehr oder weniger (in gegenständlichem Fall eher weniger) informatives Booklet ergänzt werden. Das hübsch und reichlich bebilderte Booklet enthält eine Reihe von Essays von prominenten Zeitgnossen wie Tony Bennett, Martin Scorsese und Sohnemann Frank jr., welche aber kaum - vielmehr gar nicht - auf die in der Box enthaltenen
Aufnahmen Bezug nehmen. Es handelt sich bei den Essays großteils um die ohnedies schon
sattsam bekannte Beweihräucherung einer verblichenen Show-Legende - Informationen betreffend der genauen Aufnahmedaten oder der beteiligten Musiker sind einmal mehr nicht vorhanden oder
verkommen zur Randnotiz. Wohlan, genaue Aufnahmedaten sind vermutlich ohnedies nur für die
Erbsenzähler unter den Fans von Interesse, der an solchen Details weniger interessierte Käufer findet in der Regel auch mit dem Aufnahmejahr sein Auslangen.

Der Löwenanteil der Aufnahmen dieser Box entstammt den Jahren 1974-1990, also einer Periode, die nicht unbedingt zu Sinatras besten Zeiten zu zählen ist: Nach dem Comeback anno 1973 war
The Voice stimmlich deutlich gealtert und eingerostet, später machte sich das Alter des Barden
mehr und mehr bemerkbar.

Auch die Preisgestaltung entspricht der 2006 veröffentlichten Vegas-Box: Der Einführungspreis
betrug rund achtzig Euro - dieser wurde allerdings von diversen Händlern bereits deutlich unter- boten. Mit einem weiteren Preisverfall dürfte im Laufe der nächsten ein, zwei Jahre mit ziemlich- er Sicherheit zu rechnen sein.
Kompakt-Disk Numero Eins:
Live 1955 und 1963

Disk 1 mag Sinatra-historisch gesehen interessant sein, ist jedoch leider aufnahmetechnisch
eher eine Katastrophe. In der Tat - es bedarf schon einiges an Mut seitens der Plattenfirma, zahlenden Kunden etwas technisch derart inferiores unterzujubeln. Meine Damen und Herren, diese Mitschnitte liegen oft unter dem Niveau, welches man ansonsten von unautorisiertem Material her kennt und verabscheut. Hinzu kommt eine im CD-Zeitalter eigentlich indiskutabel
kurze Laufzeit von gerade einmal funfundreißig Minuten - offenbar wollte man auf Biegen und Brechen genau wie bei Sinatra-Vegas mit vier CD´s aufwarten und streckte daher das Material unnötigerweise.

Die Mitschnitte 1 - 4 stammen vom 3. Februar 1955 und wurden im Manhattan Center aufge- nommen. 5 - 11 datieren vom 13. September 1963 und präsentieren Sinatra Live At The United Nations. Die 1955 entstandenen Aufnahmen zeigen Sinatra wiedervereint mit seinem ehemaligen Brotherrn Tommy Dorsey. Historisch sicher bedeutsam, aber musikalisch betrachtet, insgesamt eher wenig aufregend, wiewohl Sinatra sich in sehr guter stimmlicher Verfassung präsentiert.
Die Aufnahmen von 1963 zeigen uns Sinatra in einer ausgesprochen seltenen musikalischen Umgebung - hier nämlich hören wir den Barden nur von einem Pianisten (Skitch Henderson) begleitet. Das Ergebnis ist ungewohnt, doch nicht ohne Reiz. Erlauben Sie mir noch einige Anmerkungen zur Tonqualität, meine sehr verehrten Damen und Herren: Die Aufnahmen mit
Tommy Dorsey leiden besonders auch daran, dass das Orchester ausgesprochen wenig präsent erscheint, was durch den Umstand, dass des Barden Stimme zumindest einen halbwegs natürlichen Eindruck vermittelt, zum Teil wieder aufgewogen werden kann. Im Falle der Mitschnitte von 1963 ist es vor allem das unglaublich verjault klingende Piano von Henderson, welches das Vergnügen erheblich trübt - aber auch hier klingt zumindest Sinatra annähernd natürlich, wenngleich stellenweise ein wenig blechern. Fazit: Zwo durchaus gelungene kurze Auftritte des in beiden Fällen gutgelaunten und stimmlich sehr gut disponierten Barden, welche unglücklicherweise sehr durch die schlechte Tonqualität der Aufnahmen leiden.

Bewertung: gut
Songs
Introductions
I´ll Never Smile Again
Oh Look At Me Now
This Love Of Mine
Too Marvelous For Words
They Can´t Take That Away From Me
I Have Dreamed
Monologue
A Foggy Day
My Heart Stood Still
I Get A Kick Out Of You
Kompakt-Disk Numero Zwo:
Live 1974

Enttäuschte Kompakt-Disk Numero Eins noch durch inferioren Sound, so bietet Kompakt-Disk Numero Zwo exzellente Tonqualität - man wünschte, Sinatras Performance würde ebenfalls dieses Prädikat verdienen - jedoch leider zeigt sich der bejahrte Barde bei diesem am 8. April 1974 in der Carnegie Hall aufgezeichneten Benefiz-Gala-Konzert in keiner allzu guten Form. Wundern wird das freilich nur die wenigsten Hörer, denn die stimmlichen Einbußen, welche Sinatra nach seinem Retirement from Retirement anno 1973 hatte hinnehmen müssen, sind hinlänglich bekannt. Schon der Opener Come Fly With Me geht dem Senior schlecht von der Hand, er wirkt ausgesprochen unsicher und läßt jegliche Energie vermissen. I Get A Kick Out

Of You würde man noch als halbwegs zufriedenstellend durchgehen lassen, leistete sich Sinatra hier nicht einen kapitalen Texthänger, der ihn für Momente völlig aus der Bahn zu werfen droht.

Die Balladen Don´t Worry About Me sowie besonders If legen einmal mehr schonungslos Sinatras Schwächen bei Balladeninterpretationen seiner späten Jahre offen. Bad, Bad Leroy Brown, ein damals für Sinatra noch neuer Song, wird ungeheuer ungeschlacht interpretiert, ja zumeist nicht einmal gesungen, sondern vielmehr geschrieen. Das darauffolgende Balladen- Medley entwickelt sich in seinem Verlauf zu einer der allerschwärzesten Stunden des Spät- Sinatra: eine selten weinerliche Performance, die den Hörer mehr als einmal die Skip-Taste drücken lassen möchte... Nach einem schier endlos scheinenden Monolog, der nun wirklich so gut wie niemanden interessieren dürfte, stimmt der Barde seinen Welt-Hit My Way an, welcher ihm letztlich sogar durchaus zufriedenstellend gelingt. Die nächste Ballade You Will Be My

Music
wirkt leider ausgesprochen steif und kann mit der Studio-Version an keiner Stelle mithalten.

Mit I´ve Got You Under My Skin gelingt dem Barden eine überraschend gute Leistung, die stellenweise sogar an bessere Tage der 60er-Jahre gemahnt. Send In The Clowns krankt naturgemäß an Sinatras schlechter stimmlicher Verfassung, That´s Life (hier übrigens erstmals in einer offiziellen Live-Version zu hören) wirkt ähnlich ungeschlacht, ja fast brutal-vulgär wie zuvor schon Bad, Bad Leroy Brown. There Used To Be A Ballpark, eine der langweiligsten Nummern der lauen Comeback-Platte
Ol´ Blue Eyes Is Back, ist in jeglicher Hinsicht verzichtbar. In der Schluss-Nummer My Kind Of Town lässt Sinatra kurzfristig erneut Erinnerungen an bessere Zeiten aufleben.

Soweit ich informiert bin, wurde dieses Konzert damals in der Absicht aufgenommen, es 1974
in Form eines Doppel-Live-Albums auf den Markt zu bringen. Nach Abhören der Bänder hat man sich dann wohlweislich dafür entschieden, die Aufnahmen im Archiv zu entsorgen - man wünscht, es wäre dabei geblieben.

Bewertung: schlecht
Songs
Overture
Come Fly With Me
I Get A Kick Out Of You
Don´t Worry About Me
If
Bad, Bad Leroy Brown
Medley: Last Night When We Were
Young/Violets For Your Furs/Here´s
That Rainy Day
Bows
Monologue
My Way
You Will Be My Music
I´ve Got You Under My Skin
Send In The Clowns
That´s Life
Bows
There Used To Be A Ballpark
My Kind Of Town
Bows
Kompakt-Disk Numero Drei:
Live 1974

Meine sehr geehrten Damen und Herren: Kompakt-Disk Numero Drei bietet die Aufnahme des ersten von zwei Konzerten, welche Sinatra anno 1974 im Madison Square Garden gab. Das zweite Konzert am darauffolgenden Tag wurde als The Main Event weltweit im TV ausgestrahlt und ist auch als Digital Versatile Disk erschienen. Auch wurde anno 1974 eine LP namens
The Main Event herausgebracht, welche aber nicht das besagte zweite Konzert, sondern vielmehr einen Zusammenschnitt mehrerer Konzerte des Jahres 1974 beinhaltet. Das uns nun hier erstmals offiziell vorliegende erste Konzert fand am 12. Oktober 1974 statt. Besitzern der Main-Event-CD werden einige wenige Teile bekannt vorkommen - Segmente einiger Songs dieses hier vorliegenden ersten Konzerts wurden seinerzeit für die zusammengestoppelte Main-Event-CD verwendet.

1974 war Sinatra stimmlich ausgesprochen indisponiert - besonders gut nachzuhören auch auf oben erwähnter Live-CD, welche vielfach als Tiefst-Punkt Sinatra´schen Live-Schaffens angesehen wird. Die Titelreihenfolge der neuen CD entspricht auch dem Programm, das auf The Main Event enthalten ist - mit dem Unterschied, dass wir hier einige Titel mehr zu hören bekommen - in der Tat wurde hier das komplette Konzert zur Veröffentlichung gebracht. Stimmlich ist Sinatra in etwa in der gleichen, wenig zufriedenstellenden Verfassung wie auf der Main-Event-Veröffentlichung, allenfalls an manchen Stellen vielleicht noch einen Tick schlechter. Die Tonqualität hingegen kann auch hier wieder als ausgezeichnet gelten.

Die Eröffnungsnummern The Lady Is A Tramp sowie I Get A Kick Out Of You machen dem
Hörer schlagartig klar, dass der Barde an diesem 12. Oktober des Jahres 1974 in einem Form- Tief steckte - was in den nächsten beiden Nummern aufs Nachhaltigste zum Tragen kommt: What Are You Doing The Rest Of Your Life - eine sehr schöne Ballade von Michel Legrand, an sich für Sinatra wie maßgeschneidert - gerät zum völligen Fiasko, bei Bad, Bad Leroy Brown
meint man unwillkürlich einen drittklassigen, obendrein total erkälteten, heiseren Sinatra-Imitator zu hören. Wahrlich, meine sehr geehrten Damen und Herren: Es ist ungemein schwer, ja: beinahe schon unmöglich, unter all der Patina, mit welcher die Stimme des Barden überzogen ist, den Sänger, welcher Sinatra noch wenige Jahre zuvor war, zu erkennen. Let Me Try Again, ein etwas schlagerhafter, aber doch recht effektvoll-melodiöser Song aus der Feder von Paul Anka gelingt leidlich und anschließend weiß Sinatra - schon gänzlich unerwartet - beim nur zu spärlicher Klavierbegleitung vorgetragenen Send In The Clowns durchaus zu überzeugen. Hier gelingt es dem alternden Barden eine ausgesprochen intime Atmosphäre zu schaffen, welche sogar mich, Ihren Prinzipal, über die stimmlichen Unebenheiten hinwegsehen läßt.

In My Kind Of Town läßt sich Sinatra vom fulminanten Arrangement tragen, sodass auch dieser Song zu den positiveren Eindrücken dieses Auftritts gezählt werden darf. Nach einem diesmal dankenswerterweise eher kurzen Monolog (Sinatra holt erst zu einem Rundumschlag gegen die Presse aus, plaudert dann über diverse Alkoholika sowie über seine damals erst fünf Monate alte Enkelin) folgen mit Autumn In New York sowie If zwei weitere Balladen, welche naturgemäß etwas an der stimmlichen Verfassung des Barden zu leiden haben, aber gleichwohl einen besseren Eindruck hinterlassen als etwa What Are You Doing The Rest Of Your Life. Das folgende I´ve Got You Under My Skin erweist sich einmal mehr als ideales Vehikel für Sinatra - es gibt wohl kaum eine Live-Version des Songs, in welcher Sinatra nicht überzeugen hätte können. Mit Angel Eyes folgt der obligate Saloon-Song - die dem Lied innewohnende Larmoyanz kommt Sinatras brüchiger Alterstimme im Unterschied zu anderen Balladen ausnahmsweise ganz gut gelegen, in The House I Live In kehrt Sinatra ganz den Patrioten heraus, You Are
The
Sunshine Of My Life lebt vor allem von der Woody Herman Band, weniger von Sinatra.

Mit einer recht nachdenklichen, jedenfalls im Gegensatz zu anderen Versionen entschieden weniger prätentiösen Interpretation von My Way setzt der Barde einen durchaus geglückten Schlusspunkt in einem aufgrund der stimmlichen Verfassung des Ausführenden häufig nicht unproblematisch wirkenden Konzert.

Bewertung: problematisch
Songs
Overture
The Lady Is A Tramp
I Get A Kick Out Of You
What Are You Doing The Rest
Of Your Life
Bad, Bad Leroy Brown
Let Me Try Again
Send In The Clowns
My Kind Of Town
Monologue
Autumn In New York
If
I´ve Got You Unde My Skin
Angel Eyes
The House I Live In
You Are The Sunshine Of My Life
My Way
Bows
Kompakt-Disk Numero Vier:
Live 1984 und 1990

Disk Numero Vier macht - zumindest zeitlich gesehen - einen großen Sprung nach vorne, der Hörer sieht sich nunmehr zunächst ins Jahr 1984, später dann sogar in das Jahr 1990 versetzt.
Die Titel 1 bis 8 wurden im Juni 1984 in der Carnegie-Hall mitgeschnitten, die Titel 9 bis 15 dagegen datieren vom Juni 1990, aufgenommen in der Radio City Music Hall. Somit ist klar, dass wir hier keine kompletten Konzerte vorliegen haben, sondern lediglich Ausschnitte, welche knapp die Hälfte des tatsächlichen Konzertprogramms beeinhalten.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, kommen wir zu den Aufnahmen des Jahres 1984: Nach einer sehr jazzigen, nur von Piano/Bass/Drums gespielten Einleitung setzt der Altstar zur aller-
langweiligsten mir bekannten Version von Fly Me To The Moon an - in der Tat: Sinatra wirkt völlig abwesend, spult den Song mit einer Gleichgültigkeit herunter, die das Ohr des geneigten Hörers regelrecht beleidigt, zumal wenn er unwillkürlich Vergleiche zur fantastischen Studio-Version zu ziehen beginnt. Bevor sich Sinatra des Songs Luck Be A Lady annimmt, scherzt der Altstar
noch ein wenig über die "Sangeskünste" Marlon Brandos, welcher dieses Lied seinerzeit in der Verfilmung von Guys And Dolls zum Besten gab. Sinatras hier dargebotene Version darf als
recht gelungen angesehen werden, lediglich bei der Einleitung müssen doch kleine Abstriche gemacht werden: Hier nämlich schlägt einmal mehr an manchen Stellen die charakteristische Post-Retirement-Weinerlichkeit durch.

Besonders zum Tragen kommt selbige naturgemäß in der nächsten Nummer: War This Is All I
Ask in der 1965 entstandenen Original-Version ein herbstlich-melancholisches Meisterwerk, blieb davon 1984 leider nur mehr ein schwacher Abglanz und eindeutiger Beweis Sinatras stimmlicher Unzulänglichkeit im Alter übrig. Dafür zieht sich der Barde in Come Rain Or Come Shine sehr achtbar aus der Affäre - ein Song, welcher Sinatras Alterstimme sehr gelegen kam und den
er wohl aus diesem Grunde bis zum Ende seiner Konzert-Tätigkeit 1994 mehr oder weniger konstant in seinem Repertoire behielt.

Es folgt eine sehr kurze Version des Klassikers My Way, die auf ein Gutteil des überzogenen Bombasts der Original-Aufnahme verzichtet. Teach Me Tonight aus dem damals aktuellen Album
L.A. Is My Lady hätte etwas mehr Feuer freilich gut zu Gesicht gestanden, zusätzlich leidet die Nummer an einem Texthänger des Barden. Bei der Abschluss-Nummer Pennies From Heaven lässt die Band die Post abgehen, leider aber lässt Sinatra auch hier viel vom Feuer der Original- Version vermissen und agiert ausgesprochen zurückhaltend. Je nun, 1984 war Sinatras Stimme wieder einmal in ein Form-Tief gerutscht, welches auf dem in diesem Jahr aufgenommenen Album L.A. Is My Lady für die Nachwelt dokumentiert wurde. Dementsprechend wenig überzeugend fiel letztendlich naturgemäß auch der jetzt veröffentlichte Mitschnitt aus der Carnegie Hall 1984 aus.

Widmen wir uns nunmehr der zwoten Hälfte des Tonträgers, welche Aufnahmen des Jahres 1990 beinhaltet, zu. Sinatra war nunmehr zum Methusalem des Show-Geschäfts geworden und stand vor seinem - stellen Sie sich das nur einmal vor, meine sehr verehrten Damen und Herren - fünf- undsiebenzigsten Geburtstag. For Once In My Life, ein Fixpunkt in jedem Konzert der Spät- Phase, kommt routiniert, ebenso Strangers In The Night, bei welchem Titel sich der greise Barde vor und während des Songs diverse Witzeleien über das von ihm nachweislich nicht sonderlich geschätzte Lied nicht versagen mag. Das darauffolgende Mack The Knife gerät ihm zu einer Tour-de-Force, paradoxerweise fand erst der greise Sinatra den richtigen Zugang zu diesem Song, der ihn jedes Mal, wenn er ihn anstimmte, richtiggehend zu verjüngen schien. Bei diesem Song raffte der alte Barde stets seine bereits im Versiegen begriffenen Lebenskräfte noch einmal zusammen und stellte regelmäßig die schwache Original-Version von 1984 sowie auch seinen Vocal-Overdub des Jahres 1986 weit in den Schatten. Bravo, alter Barde, Bravissimo!

Nach Summer Wind, einem an sich eher belanglosen Stück, welches aber zumindest mit einem sehr gelungenen Arrangement von Nelson Riddle punktet, schließt Kompakt-Disk Numero Vier mit einer in Anbetracht des hohen Alters des Hauptausführenden durchaus zufriedenstellenden Version von Theme From New York, New York - auch dies ein weiteres Stück, das den alten Sinatra bei Konzerten regelrecht zu beflügeln schien.

Bewertung: problematisch
Songs
Fly Me To The Moon
Luck Be A Lady
This Is All I Ask
Come Rain Or Come Shine
Monologue
My Way
Teach Me Tonight
Pennies From Heaven
For Once In My Life
Strangers In The Night
Monologue
Mack The Knife
Summer Wind
Theme From New York New York
Bows
Digital Versatile Disc:
Live At Carnegie Hall

Bei Disk Numero Fünf der New York-Box handelt es sich um eine sogenannte Digital Versatile Disc, ein Medium zur Konservierung von Bild- und Tonsignalen. Dieses Medium, im Volksmund gern kurz DVD geheißen, löste vor einiger Zeit die gängige Video-Kassette ab.

Je nun, meine sehr geehrten Damen und Herren, hier also gibt es Sinatra in Ton und Bild - beides kann ruhigen Gewissens als sehr gut bis hervorragend bezeichnet werden, vor allem das Bild- material besticht durch Schärfe und Kontrast, welche teils über dem Niveau der bekannten
Warner-DVD´s liegen. Bedenken Sie bei der Beurteilung der Bildqualität immer eines: Diese Aufnahme hat immerhin dreißig Jahre auf dem Buckel.

Der vorliegende Konzert-Mitschnitt entstand am 25. Juni 1980 zu New York und daselbst in der altehrwürdigen Carnegie-Hall. Der Barde befand sich damals in seinem fünfundsechzigsten Lebensjahr und seine Populariät hatte eben durch das ambitionierte 3-LP-Set
Trilogy und dem darauf enthaltenen Titel Theme From New York New York einen erneuten Schub bekommen.
Für sein doch schon recht weit fortgeschrittenes Alter macht der Sänger einen körperlich erstaunlich fitten Eindruck, auch zeigt er sich an diesem Abend in ausgesprochen blendender Laune - welch ein Unterschied zu videographischen Aufnahmen der 90er-Jahre, welche uns zumeist einen starren, unbeweglichen, fast marionettenhaften Sinatra mit geradezu versteinertem Gesichtsausdruck präsentieren. Die Stimme des Sängers entspricht seiner gesund wirkenden stofflichen Erscheinung, wirkt kraftvoll in den schnelleren Stücken und vermag sogar in den Balladen weitgehend zu überzeugen. Naturgemäß kann Sinatras Stimme in langsamen Stücken das Alter nicht ganz verleugnen und zeitweise schleicht sich Brüchigkeit ein, mitunter auch wirkt sie - ganz typisch für die Post-Retirement-Phase - etwas weinerlich, aber insgesamt betrachtet ist der Barde hier so gut bei Stimme wie wohl nie zuvor seit seinem Comeback anno 1974. Vergleichen Sie die hier vorliegenden Aufnahmen mit Kompakt-Disk Numero Zwo und Drei und Sie, wertes Publicum, werden bemerken, dass Sinatra 1980 seine Stimme wieder sehr viel besser in der Gewalt hatte als 1974.

Die Set-List dieses Abends ist exquisit, obgleich sie freilich aus heutiger Sicht kaum Überraschungen bietet - allenfalls This Is All I Ask, Summer Me, Winter Me, I Can´t Get
Started
, You And Me sowie The Song Is You fallen aus dem Standard-Repertoire eines Sinatra-Konzerts.

I´ve Got The World On A String ist ein kraftvoller, energiegeladener Auftakt, der Sinatras immerhin Jahrzehnte zurückliegender Capitol-Aufnahme nicht viel nachsteht, The Best Is Yet To
Come kann sich ebenfalls ganz gut am Original messen lassen und The Lady Is A Tramp zeigt Sinatra sehr viel sicherer als bei der 74er-Aufnahme auf Kompakt-Disk Numero Drei. Die Energie, welche der Barde in diese Songs legt, spiegelt sich auch trefflich in seiner Gestik und Mimik wider und wird vom Publicum mit frenetischem Applaus honoriert. Die folgenden beiden Balladen When Your Lover Has Gone sowie This Is All I Ask werden zufriedenstellend intoniert, wenn- gleich hier stellenweise doch auch offenbar wird, dass sich der alte Sinatra bei Balladen stimm- lich stets auf sehr dünnem Eise bewegte. I´ve Got You Under My Skin ist explosiv und weckt Erinnerungen an des Barden bessere Zeiten, Summer Me, Winter Me wirkt deutlich tiefer empfunden und lebendiger als die Trilogy-Studio-Aufnahme, Street Of Dreams dagegen fällt gegenüber der Studio-Version doch deutlich ab. Das schwierig zu singende Medley aus The
Gal That Got Away und It Never Entered My Mind bewältigt der bejahrte Sinatra hier ganz gut, wenngleich diese Version doch noch ein gutes Stück weit von der später im Jahre 1981 für das Balladen-Album She Shot Me Down aufgenommenen und wahrhaft gloriosen Studio-Fassung entfernt ist.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, auch wenn manche unter Ihnen vielleicht gegenteiliger Meinung sind, so halte ich die folgende Version von I Can´t Get Started doch für ziemlich verun- glückt, hier macht Sinatra einen nicht recht sattelfesten Eindruck. Einzig die Trompetenbegleit- ung von Charles Turner mag mir gefallen. Auch Send In The Clowns tut das seinige, um den bislang guten Eindruck dieses Konzertes deutlich zu beeinträchtigen - diese Version ist ausge- sprochen langweilig und uninspiriert. Come Fly With Me ist pure Routine, bevor Sinatra plötzlich stimmlich in ein großes schwarzes Loch plumpst: Pardauz: Guess I´ll Hang My Tears Out To Dry scheint den Barden um zwanzig Jahre altern zu lassen, hier tritt eine Inkompetenz zutage, die man in dieser Ausprägung nicht erwartet hätte. Sinatra vergurkt den Song von Anfang bis Ende, ausgesprochen peinlich... möglicherweise forderte die Hitze in der Carnegie Hall, über welche Sinatra sich schon zuvor bei einer anderen Gelegenheit beklagt hatte, im Verlauf des Konzerts ihren Tribut und ließ des Barden Form-Kurve jäh und deutlich sinken.


You And Me, in der Studio-Version sicherlich einer der Höhepunkte des Trilogy-Albums, wird hier von Sinatra leider ungebremst gegen die Wand gefahren - in der Tat ist die hier gebotene Fassung großteils extrem unerquicklich. Das fulminante Billy-May-Arrangement von The Song Is You scheint den Barden dann sichtlich anzuspornen, hier gelingt dank des Drives der Band eine zufriedenstellende Fassung, hier wird auch offensichtlich, dass Sinatra sich bei Titeln dieses Kalibers weit wohler fühlte als bei der Interpretation zeitgenössischer Pop-Songs. Theme From New York New York ist der freilich unvermeidliche Schlusspunkt des Konzerts - Sinatra zeigt
sich hier wieder recht gut in Form, wiewohl ich doch anmerken muss, dass bessere Versionen des Titels existieren.

Fazit: Ein Konzert, das den Barden im Hinblick auf sein fortgeschrittenes Alter in rechter guter Form zeigt, das Vergnügen wird jedoch durch erhebliche Schwächen im letzten Drittel des Auftritts beträchtlich geschmälert.

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Bewertung: durchschnittlich


Songs
I´ve Got The World On A String
The Best Is Yet To Come
The Lady Is A Tramp
When Your Lover Has Gone
This Is All I Ask
I´ve Got You Under My Skin
Summer Me, Winter Me
Street Of Dreams
The Gal That Got Away/
It Never Entered My Mind
I Can´t Get Started
Send In The Clowns
Come Fly With Me
Guess I´ll Hang My Tears Out To Dry
You And Me
The Song Is You
Theme From New York New York