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“Basically, I'm for anything that gets you through the night - be it prayer, tranquilizers or a bottle of Jack Daniels.”

“Critics don't bother me because if I do badly, I know I'm bad before they even write it. And if I'm good, I know I'm good. I know best about myself, so a critic doesn't anger me.”

“The thing that influenced me most was the way Tommy played his trombone. It was my idea to make my voice work in the same way as a trombone or violin - not sounding like them, but "playing" the voice like those instrument- alists.”
Cycles

Auf dieser von Don Costa produzierten Platte gibt es zur Abwechslung einmal keine Standards des Great American Songbook oder  Broadway-Show-Tunes zu hören, sondern ausschließlich "aktuelles" Material, sprich gängige Pop-Songs (damals) neueren Datums. Die Aufnahmen entstanden im Julei und November des Jahres 1968 zu Los Angeles.

Der 53jährige Sinatra wollte damals offenbar nicht in den Ruf geraten, sich als Entertainer der "guten alten Schule" überhaupt nicht um moderneres Songwriting zu kümmern. Das Ergebnis dieser musikalischen Frischzellenkur ist allerdings mehr als bloß zwiespältig. Hier wurde ein Album mit Easy-Listening- Approach produziert, welches vor allem die eingefleischten, altge- dienten Fans zum Zeitpunkt der Veröffentlichung etwas verstört haben dürfte.

Und in der Tat, Sinatra war schlecht beraten, dieses Album aufzunehmen. Der Sänger dürfte sich mit dieser poppigen Song-Kollektion nicht allzu viele neue Freunde gemacht haben, dafür aber vielleicht "traditionell orientierte" Fans zu Hauf in die Flucht geschlagen haben.

Man fragt sich staunend, was Sinatra, damals schon eine Legende, dazu bewogen haben mag, sich in reiferem Alter plötzlich bei einem jugendlichen Publikum anzudienen, das erstens ganz andere und zweitens sehr viel jüngere musikalische Idole und Vorbilder hatte.

Sinatra lieferte mit Cycles ein Schlager-Pop-Album ab, das allem künstlerischen Anspruch, den er selber in der Vergangenheit meist an sich gestellt hatte, den Rücken kehrt. Don Costa, der immerhin für die in der Tat großartigen Arrangements des Albums
Sinatra And Strings verant- wortlich zeichnete, stellte hier sein Licht ganz weit unter den Scheffel und schrieb in einem akuten Anfall von Selbstverleugnung einfache und simpel gestrickte Charts, ganz so als sei
er ein Anfänger in seinem Metier und verstünde sein Handwerk noch nicht so recht.

Songs wie From Both Sides Now, Little Green Apples
und auch Pretty Colors scheinen nun doch nicht so ganz zu Sinatra zu passen, Rain In My Heart und My Way Of Life sind an sich vielleicht keine allzu schlechten Songs, jedoch leider gar zu überproduziert.

Meine hochverehrten Damen und Herren: Wen in aller Welt würde der völlig überzogene Bombast von Rain In My Heart interessieren, wenn der Song nicht von Sinatra gesungen würde? Ähnliches gilt denn auch für My Way Of Life. Little Green Apples ist bloß langweilig und zudem noch unfreiwillig komisch, wenn der Kurzhaar-Toupet-Träger Sinatra von Haaren singt, die ihm des Morgens in die Augen hängen... Der Sing-Sang von
From Both Sides Now mag in der filigranen Original-Version von Joni Mitchell bezaubernd sein, aber der eher uninspirierte
Vortrag von Sinatra bleibt weit hinter Joni Mitchell zurück.

Am ehesten überzeugen kann der Sänger noch bei Gentle On My Mind, By The Time I Get To Phoenix und vor allem beim Titelstück Cycles. Letzterer Song ist der Höhepunkt dieses Albums und gehört zumindest für mich auf alle Fälle zu den besten Nummern des End-60er- Jahre- Sinatra. Wandering und Moody River dagegen enttäuschen in gar jeder Hinsicht.

Sinatra hat im Lauf seiner Karriere viele Platten von bleibendem  Wert  aufgenommen, Cycles  gehört aber ganz und gar nicht in diese Reihe. Vor allem natürlich der direkte Vergleich mit dem zusammen mit dem großen
Duke Ellington eingespielten Vorgänger-Album läßt Cycles ziemlich schlecht dastehen.

Sinatra selbst schien sich in diesen neuen Songs nicht so besonders heimisch zu fühlen. Sicherlich erkannte Sinatra sogleich die mangelnde Qualität der meisten Songs und blieb
daher bei seinen Interpretationen emotional weitestgehend unbeteiligt und uns, den Hörern,
geht es bei diesem ganz und gar unterdurchschnittlichen Album ganz ähnlich.

Beachten Sie auch die Rezension von Peter Schleger, welche Sie
hier finden können.

Bewertung: problematisch
Songs
Rain In My Heart
From Both Sides Now
Little Green Apples
Pretty Colors
Cycles
Wandering
By The Time I Get To Phoenix
Moody River
My Way Of Life
Gentle On My Mind


Aufgenommen Julei / 1968


Produzent

Don Costa

Arrangeur
Don Costa